As my upcoming concerts are mostly in Germany, I might as well announce them in German.
München Liederabend mit Felix Schulte
im Steinway & Sons München
für die Freunde Junger Musiker
Dienstag, 25.11.2025, 18 Uhr
Mit unserem ersten eigenen Liederabend werden der junge Bariton Felix Christian Schulte und ich im "The Artist Living Room" des Steinway & Sons München auch zum ersten Mal als Duopartner debütieren. Für das Programm haben wir die Dichterliebe von Robert Schumann sowie ausgewählte Werke von Clara Schumann, Johannes Brahms und dem Münchener Komponisten Richard Strauss vorbereitet.
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Mein allererster Klavierabend soll eine Hommage an die erste Musikrichtung sein, die ich durch meine Eltern intensiv zu hören bekam - Rockmusik. Und auch wenn Klassik und verschiedenste Populärmusik selbstverständlich auch sehr früh in meinem Gehör verankert waren, so ist die Rockmusik die Musikrichtung, die meine Eltern am liebsten gehört haben und somit eine zentrale musikalische Erinnerung aus meiner Kindheit.
Und so sind auch in diesem Klavierprogramm unterschiedliche Elemente daraus vorhanden, so zum Beispiel das häufig vorkommende Quart- und Quintintervall, welche auch gerne übereinander geschichtet werden und auf einer E-Gitarre einen typisch "metallischen" Klang erzeugen. Und tatsächlich hört man sowohl im Trauermarsch von Chopin als auch im langsamen Mittelstück von Ravels Gaspard de la Nuit häufig diesen speziellen Klang, der die Stücke für mich fast zu einer Rockballade macht. Ligetis Teufelstreppe könnte man durch und durch als eine Mischung aus Heavy Metal und Jazz bezeichnen und auch bei der Sonate von Skrjabin hört man durch das gesamte einsätzige Werk in hypnotisierender Art und Weise durchgängig Quint-Motive erscheinen sowie eine besondere Schichtung aus einer reinen Quinte und einem sogenannten teuflischen "Tritonus", was einen besonders scharfen Klang erzeugt.
Besonders in Erinnerung geblieben ist für mich als Kind auch der unheimliche Klang des Gothic-Rock, der sich mit der dunklen Seite des Lebens wie dem Tod und dem Übernatürlichen auseinandersetzt, häufig verbunden mit emotionalen Extremen. Dieser Klavierabend sollte allerdings nicht als vorzeitige Stimmungsmache für Halloween oder die Verarbeitung eines Kindheitstraumas missverstanden werden, sondern viel eher eine spirituelle Reise und die Suche nach Frieden symbolisieren. Und auch wenn der Abend eine gewisse Programmatik mit sich trägt, die einen roten (Seelenp(fad)en)) zwischen die einzelnen Werke zieht, so sind das immer noch Meilensteine der Klavierliteratur, die für sich sprechen und schon lange zu meinen absoluten Lieblingswerken gehören und sich daher erst im Nachhinein zu einem solchen Zusammenhang ergeben haben.
Frédéric Chopin (1810-1849) - Sonate Nr. 2 Op. 35 b-Moll
“Marche funèbre / Trauermarsch”
Chopins zweite Sonate entstand in den Jahren 1839/40 und hat anfänglich mit der ungewöhnlichen Form und dem Mangel an Einheitlichkeit sowie dem höchst ungewöhnlichen letzten Satz, harte Kritik und Unverständnis ausgelöst - allen voran von Chopins eigentlich großem Bewunderer Robert Schumann. Mit dieser Sonate bezieht er sich gewissermaßen auf seine Lieblingsonate von Ludwig van Beethoven, Op. 26 in As-Dur, die denselben Beinamen trägt, da sie ebenfalls einen Trauermarsch im dritten Satz enthält. Seit dem Erklingen beim eigenen Begräbnis, erlangte Chopins Trauermarsch, der bereits 1837 kurz nach der Trennung von seiner Geliebten Maria Wodzińska komponiert wurde, große Berühmtheit durch zahlreiche Staatsbegräbnisse.
György Ligeti (1923-2006) - Étude Nr. 13
“L’escalier du diable / Teufelstreppe”
Ligetis zwischen 1985 und 2001 komponierten 18 Etüden für Klavier gehören trotz der vergleichsweise späten Entstehungsjahre in der bereits als jedes Extrem erforscht gegoltenen Gattung der Etüde, zu den innovativsten und anspruchsvollsten technischen Herausforderungen des modernen Klavierspiels. Die Teufelstreppe gilt dabei in besonderer Weise als eine der schwersten aus dem Zyklus und stellt die endlose Anstrengung eines unerreichbaren Ziels dar - in dem Fall das Aufsteigen von unendlichen Treppen, die immer wieder in neuen Formen beginnen - eine von mehreren Inspirationsquellen dafür war M. C. Eschers berühmtes "Treppauf Treppab" sowie die Cantor-Verteilung aus der Stochastik, dessen Verteilungsfunktion denselben teuflischen Spitznamen trägt.
Maurice Ravel (1875-1937)
“Gaspard de la Nuit / Schatzmeister der Nacht”
Ravels 1908 komponierter Zyklus Gaspard de la Nuit basiert auf drei Gedichten der Schauerromantik aus dem Jahre 1836 von dem französischen Dichter Aloysius Bertrand (1807-1841), der in der Einleitung der Sammlung schreibt, dass ihm diese Gedichte vom Teufel persönlich übergeben wurden. Es ist zudem bekannt, dass Ravel mit Scarbo eine Karikatur von der Romantik sowie das technisch anspruchsvollste Stück für das Klavier schreiben wollte – direkte Inspiration war der russische Komponist Mili Balakirew, dessen orientalische Fantasie "Islamey" mit ihren schnellen Tonrepetitionen damals als die Königsklasse der Virtuosität galt.
Ondine / Wassernixe Undine
« Écoute ! — Écoute ! — C’est moi, c’est Ondine qui frôle de ces gouttes d’eau les losanges sonores de ta fenêtre illuminée par les mornes rayons de la lune ; et voici, en robe de moire, la dame châtelaine qui contemple à son balcon la belle nuit étoilée et le beau lac endormi.
Chaque flot est un ondin qui nage dans le courant, chaque courant est un sentier qui serpente vers mon palais, et mon palais est bâti fluide, au fond du lac, dans le triangle du feu, de la terre et de l’air.
Écoute ! — Écoute ! — Mon père bat l’eau coassante d’une branche d’aulne verte, et mes sœurs caressent de leurs bras d’écume les fraîches îles d’herbes, de nénuphars et de glaïeuls, ou se moquent du saule caduc et barbu qui pêche à la ligne. »
Sa chanson murmurée, elle me supplia de recevoir son anneau à mon doigt, pour être l’époux d’une Ondine, et de visiter avec elle son palais, pour être le roi des lacs.
Et comme je lui répondais que j’aimais une mortelle, boudeuse et dépitée, elle pleura quelques larmes, poussa un éclat de rire, et s’évanouit en giboulées qui ruisselèrent blanches le long de mes vitraux bleus.
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“Höre! – Höre! – ich bin es, Undine, die mit diesen Wassertropfen die klingenden Rauten deines von den trüben Strahlen des Mondes beleuchteten Fensters streift; und hier die Schlossherrin im Moiré-Kleid, die von ihrem Balkon aus die schöne gestirnte Nacht und den schönen schlafenden See betrachtet.
Jede Welle ist eine Nixe, die in der Strömung schwimmt, jede Strömung ist ein Pfad, der sich zu meinem Palast schlängelt, und mein Palast ist flüssig gebaut, am Grunde des Sees, im Dreieck von Feuer, Erde, und Luft.
Höre! – Höre! – mein Vater schlägt mit einem grünen Erlenzweig das quäkende Wasser, und meine Schwestern liebkosen mit ihren Armen aus Schaum die frischen Inseln aus Gras, Seerosen und Wasserlilien oder spotten über den gebrechlichen, bärtigen Weidenbaum, der im Wasser angelt."
Nachdem sie ihr Lied gesummt hatte, bat sie mich, ihren Ring an meinen Finger zu stecken, um der Gatte einer Undine zu sein und mit ihr zu ihrem Palast zu kommen, um der König der Seen zu werden.
Und als ich ihr antwortete, dass ich eine Sterbliche liebe, weinte sie schmollend und enttäuscht einige Tränen, brach dann in Lachen aus und verschwand in den Regenschauern, die weiß an meinen blauen Fenstern herunterrannen.
Le gibet / Der Galgen
Ah! ce que j’entends, serait-ce la bise nocturne qui glapit, ou le pendu qui pousse un soupir sur la fourche patibulaire?
Serait-ce quelque grillon qui chante tapi dans la mousse et le lierre stérile dont par pitié se chausse le bois?
Serait-ce quelque mouche en chasse sonnant du cor autour de ces oreilles sourdes à la fanfare des hallali?
Serait-ce quelque escarbot qui cueille en son vol inégal un cheveu sanglant à son crâne chauve?
Ou bien serait-ce quelque araignée qui brode une demi-aune de mousseline pour cravate à ce col étranglé?
C’est la cloche qui tinte aux murs d’une ville sous l’horizon, et la carcasse d’un pendu que rougit le soleil couchant.
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Ah! ist das, was ich höre, der nächtliche Wind, der heult, oder der Gehenkte, der am Galgen einen Seufzer ausstößt?
Oder ist es eine Grille, die verborgen im Moos und kargen Efeu, mit dem sich der Wald aus Mitleid kleidet, singt?
Oder ist es eine Fliege, die auf der Jagd das Horn bläst rings um diese Ohren, die taub sind für die Fanfaren des Halali?
Oder ist es ein Käfer, der auf seinem schwankenden Flug ein blutiges Haar aus dem kahlen Schädel zupft?
Oder sollte es gar eine Spinne sein, die eine halbe Elle Musselin als Krawatte für den erwürgten Hals webt?
Es ist die Glocke, die an den Mauern einer Stadt fern am Horizont ertönt, und die Leiche eines Gehenkten, der die untergehende Sonne rötet.
Scarbo / Kobold Scarbo
Oh ! que de fois je l’ai entendu et vu, Scarbo, lorsqu’à minuit la lune brille dans le ciel comme un écu d’argent sur une bannière d’azur semée d’abeilles d’or !
Que de fois j’ai entendu bourdonner son rire dans l’ombre de mon alcôve, et grincer son ongle sur la soie des courtines de mon lit !
Que de fois je l’ai vu descendre du plancher, pirouetter sur un pied et rouler par la chambre comme le fuseau tombé de la quenouille d’une sorcière.
Le croyais-je alors évanoui ? le nain grandissait entre la lune et moi, comme le clocher d’une cathédrale gothique, un grelot d’or en branle à son bonnet pointu !
Mais bientôt son corps bleuissait, diaphane comme la cire d’une bougie, son visage blémissait comme la cire d’un lumignon, – et soudain il s’éteignait.
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Oh! wie oft habe ich ihn gehört und gesehen, Scarbo, wenn um Mitternacht der Mond am Himmel glänzt wie ein Silbertaler auf einem azurblauen Banner, das mit goldenen Bienen besät ist!
Wie oft habe ich sein Gelächter im Schatten meines Alkovens schallen und seinen Nagel auf der Seide meiner Bettvorhänge kratzen gehört!
Wie oft habe ich ihn von der Decke heruntersteigen, auf einem Fuß Pirouetten drehen und durch das Zimmer rollen gesehen, wie eine Spindel, die aus dem Spinnrocken einer Hexe gefallen ist.
Glaubte ich, er sei verschwunden? Dann wuchs der Zwerg zwischen dem Mond und mir wie der Kirchturm einer gotischen Kathedrale, und ein goldenes Glöckchen rasselte an seiner Zipfelmütze!
Doch bald wurde sein Körper blau, durchsichtig wie das Wachs einer Kerze, sein Gesicht wurde bleich wie das Wachs eines Kerzenstummels, – und plötzlich erlosch er.
Alexander Skrjabin (1872-1915) – Sonate Nr. 7 Op. 64
“Messe blanche / Weiße Messe”
Skrjabins siebte Sonate lässt sich zu seiner letzten Schaffensphase einordnen, die sich von der Spätromantik weitestgehend losgelöst hat und von Mystik und apokalyptischen Visionen und von einer unabhängig von Schönberg entwickelten Form von Atonalität geprägt ist. Sie bezieht sich direkt auf seine sechste Sonate, vor der sich der Komponist wohl selbst so gefürchtet hat, dass er sich weigerte sie zu spielen und der Überzeugung war, dass sie dämonische Kräfte in sich trage, die ihn beobachteten. Als Gegenreaktion komponierte er kurz darauf die siebte Sonate, die die Funktion eines Exorzismus ausüben sollte, daher der Beiname “Weiße Messe”. Sie ist geprägt von verschiedenen Charakteren und unbändigen, schwebenden Kräften, die immer wieder auf hypnotisierende und eindringliche Art und Weise erscheinen und schubweise einen inneren Kampf durchmachen.
Johann Sebastian Bach (1685-1750) / Ferruccio Busoni (1866-1924)
Chaconne d-Moll
(aus Bachs Partita Nr. 2 für Violine in Busonis Transkription für Klavier)
Ein Werk von Bach darf in der Johann-Sebastian-Bach Gemeinde natürlich nicht fehlen.
Bachs Chaconne ist der Finalsatz aus seiner zweiten Partita für die Violine, die kurz nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1720 erschien. Mit versteckten Chorälen über Tod und Auferstehung und 32 perfekt auskomponierten Variationen über ein Ostinato-Bassthema, gilt die Chaconne als eines der monumentalsten Werke überhaupt - etliche Komponisten wie Johannes Brahms haben ihre Begeisterung verkündet und entsprechend viele Transkriptionen wurden angefertigt. Dabei sticht die kolossale Transkription für Klavier von einer der zentralen Figuren zur Verbreitung des Werkes von Bach – Ferruccio Busoni - besonders heraus, welcher auch in besonderer Weise mit Berlin in Verbindung steht, wo er bis zu seinem Tod gewirkt hat.
Johann Sebastian Bach (1685-1750) / Egon Petri (1881-1962)
"Schafe können sicher weiden"
(Arie aus Bachs Kantate "Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd" BWV 208)
Egon Petri war der bekannteste Schüler Ferruccio Busonis und trägt denselben Nachnamen wie ein Kommilitone aus meiner alten Klavierklasse, der das Werk mir in besonderer Weise erschlossen hat.
Schafe können sicher weiden,
Wo ein guter Hirte wacht.
Wo Regenten wohl regieren,
Kann man Ruh und Friede spüren
Und was Länder glücklich macht.